REPETITIVE MOVEMENTS

Photo: Anatol Serexhe

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08.06.2018

@ Salon Mondial / HEK - Haus für elektronische Medien


Ausstellung & Klang-Performance mit Grammophon und Mobilgeräten

In Zusammenarbeit mit Graham Dunning, Lisa Schlenker, Norbert Schnell



„Pop is about liking things“, Andy Warhol, Künstler

 „Erschaffen heißt Umschaffen“, Nelson Goodman, Philosoph



Die Ausstellung des Cité-Stipendiaten Sascha Brosamer (*1984), die er zum Ende seines Recherche Aufenthalts in Paris in den Räumen des Stipendiengebers Salon Mondial ausrichtet, dreht sich um den schon im Titel benannten und durchaus paradoxen Begriff Repetitive Movements.


Der Performancekünstler zerlegt in seiner Arbeit wie auch in der Ausstellung mit unterschiedlichen Strategien Phänomene der uns alltäglich begegnenden Popkultur. Im Zuge seiner Recherchen und gezielt gesetzten, künstlerischen Interventionen trägt er mit archäologischem Impetus die obersten, phänomenologischen Bedeutungsschichten des Pop ab, um darunter auch sekundäre Aspekte und komplexe Prozesse sichtbar zu machen. Insbesondere die Musik, aber auch Musik-Apparate und verschiedenste Tonträger, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend zum Alltagsgegenstand wurden, lassen sich dabei in seinem Schaffen als materielle Konstante verfolgen.


Zugleich sind diese Konstanten auch für die aktuelle Ausstellung, in der Sascha Brosamer sowohl individuelle, als auch kollaborative und teils performativen Setzungen von und mit Lisa Schlenker, Graham Dunning und Norbert Schnell präsentiert, das zentrale Themenfeld. Gemeinsam widmen sie sich dabei umfassend dem titelgebenden Phänomen.


Geradezu emblematisch scheint sich die Idee des Zirkulären auf verschiedene Weise in Musik selbst, wie auch in ihre Medien eingeschrieben zu haben. Selbst eine Schlüsselfigur des Popkulturellen kann der Begriff des „Repetitiven“ zunächst auf die strukturelle Organisation von Musik bezogen werden. Akustisch erfahrbar setzt sie sich aus sich wiederholenden Rhythmen, Themen, Noten oder ganzen Refrains zusammen. Darüber hinaus versinnbildlicht auch das Drehen der Platte um die eigene Achse, durch welche ihr „Inhalt“ schließlich erst hörbar wird, visuell „Wiederholung“. Schließlich kann auch der Vorgang des Auflegens selbst wiederholt und die Platte sogar an verschiedenen Standorten immer wieder neu angehört werden.


In der Kombination von Wiederholung und des auch politisch konnotierten Movements jedoch zeigt sich eine vielmehr paradoxe Wechselwirkung: Denn tatsächlich ist die Wiederholung des Selben ein Trugschluss, da sie bereits durch die unvermeidbare, zeitliche Bewegung ausgeschlossen ist und selbst unvermeidbar Veränderung unterliegt. Bewegung hingegen – sinngemäß mit Fortschritt assoziiert – relativiert sich im Laufe der Zeit. Neue Moden kehren als Retro-Trend zurück. technologische Meilensteine relativieren sich im Alltag. Damit ruft die Begriffs-Collage Repetitive Movements gleichermaßen das Bild von Dynamik, (Fort-)Bewegung, Fortschritt, Engagement aber auch quantifizierbarer Wertschöpfung und Produktion auf, taumelt andererseits aber auch einem Zustand der Stagnation oder Trance entgegen.


Neben dem vordergründigen Thema der Musik tritt in der Ausstellung dabei ein weit grundlegenderes Thema zu Tage:


Im Wechselspiel aus subjektiver Aneignung und sinnstiftendem Output treten gleichermaßen die vier KünstlerInnen wie auch die Ausstellungsbesucher zueinander in ein gegenseitiges Austauschverhältnis. So folgt der Leitgedanke von Repetitive Movements einem steten (materiellen) Verwandlungs- und Übertragungsprozess. Die eigentliche Bewegung und Fragmentierung des jeweiligen materiellen status quo der Exponate wird damit selbst zur Konstante der Ausstellung. Die vielmehr fluiden statt in sich (ab-)geschlossenen, hybriden statt eindeutigen, die interdisziplinären und cross-kulturellen Objekte werden zur Herausforderung der nach Stereotypen suchenden Zuschreibung.


Dieserart verweisen die prozessualen und kollektiven Übertragungen, die gleichermaßen in der Gesamtinstallation wie in den einzelnen Arbeiten der Ausstellung zu finden sind, metaphorisch auf Prozesse marktrelevanter, globaler Produktions- und Distributions-mechanismen;-  auch, aber nicht ausschließlich in der Musikindustrie.

Text: Viktoria Wilhelmine Tiedeke

Photo: Kerstin Rößler (Exhibition) & Lucia Demosteyrin (Performance)

 
 
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